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Zensur durch die Hintertür, so funktioniert Sie also

Wer immer noch der Mei­nung ist, er kön­ne in Deutsch­land frei und offen sei­ne Mei­nung sagen oder schrei­ben, den wer­de ich jetzt gleich lei­der eines Bes­se­ren beleh­ren müssen.

Stel­len Sie sich vor, Sie schrei­ben einen Blog, so wie ich hier, und haben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren hier und da mal recht kri­tisch über einen gewis­sen Dr. P. bzw. sei­ne Pro­duk­te geschrie­ben, ohne die genann­te Per­son zu belei­di­gen oder in sei­ner Ehre zu beschneiden.

Sie haben auch kei­ne fal­schen Behaup­tun­gen auf­ge­stellt, son­dern ledig­lich Ihre Mei­nung geäu­ßert, die der besag­ten Per­son mit Dok­tor­ti­tel aber nicht gefal­len hat.

Stel­len Sie sich wei­ter vor, dass Sie irgend­wann ein Schrei­ben wie die­ses hier erhal­ten. Sie wer­den freund­lich auf­ge­for­dert, die kri­ti­schen Arti­kel zu löschen. Kom­me man die­ser freund­li­chen Bit­te nicht nach, wäre es mög­lich, dass der besag­te Dr. P. recht­li­che Schrit­te ein­lei­ten wird. Zu die­sem Zweck bie­te man auch sofort eine Koope­ra­ti­ons­kanz­lei an.

Wie würden Sie reagieren?

Es auf einen Rechts­streit ankom­men las­sen, des­sen Kos­ten­ri­si­ko Sie unter Umstän­den rui­nie­ren würde?

So funk­tio­niert also die moder­ne Zen­sur durch die Hintertür.

Ich woll­te, ich hät­te den Mut, die­ser Agen­tur bezie­hungs­wei­se deren Auf­trag­ge­ber zu sagen „ gar nichts wer­de ich löschen!“

Wir leben immer noch in einem frei­en Land und jeder hat das Recht, sei­ne Mei­nung frei zu äußern, wenn die­se nicht all­ge­mein ver­brei­te­ten Ein­schrän­kun­gen der Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit unter­liegt, wie zum Bei­spiel Belei­di­gung, Ver­leum­dung, Dis­kre­di­tie­rung etc.

Was habe ich gemacht?

Den Schwanz ein­ge­zo­gen. Wer möch­te schon einen Rechts­streit mit einem Mil­lio­när ris­kie­ren, der sich ohne wei­te­res die bes­ten Anwäl­te leis­ten kann. Selbst wenn man einen Pro­zess gewin­nen soll­te, ist man in der Zwi­schen­zeit höchst­wahr­schein­lich Plei­te gegangen.

Unter dem Strich bleibt ein unan­ge­neh­mes Gefühl zurück. Sind wir in Deutsch­land wei­ter­hin unter­wegs in Rich­tung einer Bana­nen­re­pu­blik, in der sich die­je­ni­gen, die das Geld besit­zen, ihr Recht erkau­fen, oder zumin­dest eine kri­ti­sche Bericht­erstat­tung unter­drü­cken können?

Was meinen Sie dazu?

Schrei­ben Sie mir Ihre Mei­nung. Hal­ten Sie mich für einen Feig­ling und hät­ten Sie anders reagiert? Ich bin sehr gespannt auf Ihre Meinung!

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  • Sehr geehr­ter Herr Graebner,
    ich stim­me Ihnen zu. Das ist Mei­nungs­zen­sur, die aber lei­der von der Mehr­heit nicht zur Kennt­nis genom­men wird. Nur die Mei­nung, die momen­tan oppor­tun ist, bleibt öffent­lich unan­ge­grif­fen, nicht nur im Inter­net. Kei­ne Demo mehr ohne Gegen­de­mons­tra­ti­on, um den ande­ren an sei­nem Demons­tra­ti­ons­recht zu hin­dern. Nicht die Aus­ein­an­der­setz­tung mit kon­trä­ren Mei­nun­gen wird gesucht, son­dern der Ver­such die­se zu unter­bin­den wird öffent­lich gelobt, sofern die Rich­tung stimmt.
    Die tra­di­tio­nel­len Grund­wer­te einer Demo­kra­tie sind längst abge­schafft, wir leben noch in einem Rechts­staat, aber schon im Zustand der Post­de­mo­kra­tie. Aus panem et cir­cen­ses ist RTL und iPho­ne geworden. 

    Det­lef Wulff

Erfolgreich im und mit dem Internet